Einige von Euch haben schon mitbekommen, dass wir Ende April für rund 10
Tage auf Zypern im Urlaub waren. Doch die Geschichte dahinter könnte kaum
dramatischer und spontaner gewesen sein. Denn eigentlich wollten wir nach
Usbekistan. Wir waren am Frankfurter Flughafen und hatten schon die
Bordkarten in der Hand, aber dann mussten wir doch schnell nach Hause. Aber
der Reihe nach…
Wie ich Euch schon häufiger erzählt habe, hat sich Agneska vor einiger Zeit
selbstständig gemacht und organisiert Rundreisen für ungarische Gruppen bis
maximal 15 Personen. Dabei konzentriert sie sich vor allem auf Länder im Nahen
Osten wie Irak, Libyen und Syrien. Aber auch weiter entfernte Staaten wie Pakistan
oder Turkmenistan gehören zu Ihrem Repertoire.
Mittlerweile muss sie nicht mehr jede Gruppe als Reiseleiterin begleiten, da sie sich
ein kleines Netzwerk von Kollegen aufgebaut hat, die einige Touren übernehmen. So
war eine Gruppe von 14 Leuten vom 12.04. – 19.04.26 in Libyen, während wir vom
18.04. – 01.05.26 eigentlich nach Usbekistan wollten.
Die Libyen-Gruppe sollte am 12.04.26 mit Turkish Airlines von Budapest mit einem
Zwischenstopp in Istanbul nach Tripolis fliegen. Allerdings annullierte Turkish Airlines
am Abreisetag selbst den Flug und buchte die Gruppe für den kommenden Tag auf
den nächsten Flug nach Istanbul.
Um zu verhindern, dass die Gruppe einen kompletten Programmtag verliert, schaffte
es Agneska, sie mit einer anderen Airline noch am selben Tag nach Tripolis zu
bringen. Gleichzeitig unterrichtete Agneska Turkish Airlines, dass sie den Hinflug am
Folgetag nicht nutzen, aber den Rückflug wie geplant in Anspruch nehmen würden.
Zunächst schien alles in Ordnung zu sein. Doch als ein paar Tage vor dem Rückflug
keine offizielle Bestätigung von Turkish Airlines kam, kontaktierte Agneska dessen
Hotline und bekam stets widersprüchliche Informationen. Lange Rede, kurzer Sinn:
Die Gruppe war von der Passagierliste gestrichen worden, weil sie den Hinflug nicht
wahrgenommen hatte.
Agneska versuchte über zwei Tage mit verschiedenen Gesprächspartnern der
Turkish Airlines Hotline, die Gruppe wieder auf den Flug zu buchen. Am 18.04.26,
also unserem Abreisetag, fuhren wir um 6 Uhr morgens Richtung Frankfurt los.
Agneska saß mit Telefon am Ohr und Laptop auf dem Schoß auf dem Beifahrersitz
und versuchte verzweifelt den Rückflug Ihrer Gruppe zu organisieren.
Ich hatte einen Parkplatz außerhalb des Flughafens über Parkos gebucht. Wir
wurden mit dem Shuttle zum Flughafen gebracht, und wir holten uns unsere
Bordkarten. Zum Glück hatten wir kein Gepäck aufgegeben, da wir nur mit unseren
Rucksäcken unterwegs waren.
Während ich versuchte, Kris zu beschäftigen und abzulenken, war Agneska weiter mit der Hotline in Kontakt. Doch irgendwann war die Zeit gekommen, um durch den Security-Check zu gehen.
Wir schauten uns beide an und wussten, dass wir da nicht durchgehen konnten. Ich
rief den Shuttle-Service von Parkos an, der uns umgehend abholte. Am frühen
Nachmittag waren wir wieder in Meckenheim.
Agneska schaffte es tatsächlich, die Gruppe mit einer anderen Airline von Tripolis
über Malta nach Budapest zu bringen. Da auf Malta ein rund zehnstündiger
Aufenthalt anstand, organisierte sie sogar noch eine Sightseeing-Tour auf ungarisch in Malta für die
Gruppe. Einfach unglaublich!
Als wir am Sonntagmorgen dann die Bestätigung hatten, dass die Gruppe im Flieger
saß, atmete Agneska erst einmal tief durch. Nun suchten wir nach einer Alternative
für unseren Familienurlaub und stießen auf einen günstigen Flug am Montagmorgen,
also zwei Tage später, von Köln über Istanbul nach Ercan in der Nähe von Nicosia
auf Zypern. Gleichzeitig buchte ich noch für zwei Tage ein geräumiges Apartment in
Nicosia.
Ich hatte zwar im Hinterkopf, dass es einen türkischen und einen griechischen Teil
auf Zypern gibt. Allerdings war mir nicht bewusst, wie strikt die beiden Landesteile
voneinander getrennt sind. Nicosia ist eine geteilte Stadt, wie es damals zu
BRD/DDR-Zeiten Berlin war. Mitten in der Fußgängerzone gibt es einen „Checkpoint
Charlie“, wo man erst auf der einen Seite seinen Reisepass vorzeigen muss. Dann
läuft man 30 Meter weiter und registriert sich auf der anderen Seite.
Wir mieteten uns im türkischen Teil ein Auto, das man auch nur in dem Landesteil
fahren darf. Eine Überquerung der Grenze zum griechischen Teil ist strikt verboten. Da Zypern früher eine britische Kolonie war, herrscht hier Linksverkehr. Es dauerte schon ein paar Tage, bis ich mich komplett daran gewöhnt hatte. „Falsch herum“ in einen zweispurigen Kreisverkehr zu fahren, sorgte für puren Stress. Und ich weiß nicht, wie oft ich den Scheibenwischer betätigte, wenn ich links abbiegen wollte.
So erkundeten wir sechs Tage lang den zypriotischen Norden mit seinen
beeindruckenden Landschaften, Stränden und Hafenstädten. Wir buchten kurzfristig
ein Hotel für ein oder zwei Tage, wobei wir bevorzugt nach Unterkünften mit Pool
Ausschau hielten.
Denn Kris liebt es, im Wasser zu sein. Dieses Mal konnte er sogar im Meer
schwimmen. Mit 24 Grad war das Wasser überraschend warm. Auch sonst hatten wir
herrliches Wetter und konnten was für unseren Teint tun. Außerdem fanden wir
heraus, dass Kris gerne Calamares isst, und wir es fast jeden Abend für ihn bestellen
mussten. So bekam er den Spitznamen „Calamari-Boy“!
Nachdem wir unter anderem die schönen Städte Famagusta, Mehmetcik und Girne
besucht hatten, gaben wir in Nicosia unseren Mietwagen ab, gingen durch den
„Checkpoint Charlie“ in den griechischen Teil und fuhren mit einer Art Flixbus nach
Larnaka, wo wir die letzten beiden Nächte blieben. Larnaka liegt auch direkt am Meer
und hat einen herrlichen Sandstrand.
Wir badeten im Meer und machten eine Bootstour mit Glasboden. Kris konnte dabei
die unterschiedlichsten Fischarten und ein gesunkenes Schiffswrack bewundern.
An dem Abend des schon jetzt legendären Champions-League-Halbfinals zwischen
Paris St. Germain und Bayern München (5:4) klinkte ich mich aus und schaute das
Match in einer Sportsbar. Dabei saß ich mit einem israelischen Vater-Sohn-Gespann
an einem Tisch und wir fachsimpelten drauf los, zumal der junge Student ebenso
fußballverrückt war.
In der Nacht zum 01.05.26 landeten wir dann wieder in der Heimat. Bevor uns aber
der Alltagstrott wieder eingeholt hatte, erlebten wir noch ein weiteres kleines
Highlight. Sonntags nahm ich Agneska und Kris mit auf die Kölner Pferderennbahn.
Schwesterherz Yvonne und Thomas kamen spontan aus Iserlohn dazu, sodass wir
noch einen sehr schönen Nachmittag zusammen verbrachten. Zwischen den
Rennpausen ritt Kris auf einem Pony und drehte unzählige Runden auf dem
Kettenkarussell.
Ja, bei uns geht es irgendwie immer rund…
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